Watles 2012

Da sitze ich nun, im wunderschönen Restaurant des Hotel Watles. Vor mir steht das Notebook, neben mir ein Capuccino. Silvia und eine der neuen Angestellten, deren Namen mir jetzt gerade nicht mehr einfällt, räumen die letzten Reste des Frühstücksbuffets weg, saugen und nehmen den Boden feucht auf. Sonst ist hier keine Menschenseele zu sehen. Selbst der Scheef Georg und die Frau Scheefin Moni sind vorhin Richtung Skipiste losgezogen. Draussen herrschen nämlich traumhafte Wetterbedingungen. Eben höre ich auf Südtirol1 übrigens, dass es weiter so bleiben soll. Ab morgen Mittwoch werden bis zu 20° erwartet. Der Frühling kommt. Nur der Schnee oben auf der Piste leistet ihm hoffentlich noch etwas Widerstand.

Tja, aber wieso sitze ich hier im Restaurant, während sich alle anderen auf der Piste vergnügen? Ich hab's tatsächlich wieder mal fertig gebracht einen Unfall zu bauen. Gestern hat's mir auf Tiefschnee ähnlicher Piste wohl die Skier weggezogen und bin kopfüber auf den Bauch geklatscht. Der Atem war weg und ich versuchte ganz langsam wieder zu Puste zu kommen. Etwas benommen suchte ich den Ski, den es mir weggehauen hat sowie den fehlenden Skistock. Wieder auf den Skiern fuhr ich behutsam zu Dodo runter. Sie wartete nämlich weiter unten und rätselte, was ich dort am Hang oben treiben würde. Die Brust schmerzte ziemlich und ich sagte Dodo spasseshalber, dass ich mir wohl eine Rippe gebrochen hätte. Wir fuhren schliesslich gemeinsam weiter bis zur Plantapatsch Hütte, wo wir mit den Kindern sowieso schnell etwas essen wollten, weil deren Skischule erst um 12:00 Uhr begann. Dieses Programm wurde nämlich am Morgen von der Skischule über den Haufen geworfen und neu hatten unsere drei Skischüler und Skischülerinnen sowie Robin in der Snowboardschule von 12:00 bis 14:00 Uhr Unterricht. Nun denn, wir assen eine Kleinigkeit und da stand auch schon Urs, der Arzt in unserer Clique neben mir. Ob er mich schnell abtasten solle, fragte er mich und ich willigte ein. Er machte seine Standardgriffe und es ging nicht lange, bis er einen Volltreffer landete. Ich schrie auf vor Schmerzen und für ihn war klar, da sei was gebrochen oder zumindest angeknackst. Ganz genau sei das jeweils nur mit Röntgenaufnahmen zu sehen. Das werde allerdings nur im Notfall gemacht, da die Behandlung einer Prellung kaum von jener eines Bruches abweiche. Scherzstillende Medikamente schlucken und viel Ruhe heisst das im Klartext.

So fuhr ich alleine, etwas frustriert und sehr vorsichtig eine letzte Talabfahrt. Unten zog ich just neben dem Rettungswagen meine Skier aus. Genau in diesem Moment kam Herbi daher gelaufen. Er vermutete sofort nichts Gutes, aber ich konnte Entwarnung geben, denn schliesslich wartete ich nicht auf einen Verletzten der mit dem Rettungswagen in den Spital gebracht wird, sondern ich war selbst etwas im Elend, benötigte aber zum Glück keinen Krankenwagen.

So legte ich mich im Hotelzimmer so gut es ging hin, las etwas und schlief immer wieder ein. Urs wollte mir im Dorf unten stärkere Medikamente besorgen, was ihm aber mangels Rezeptblock verweigert wurde. Offenbar fielen die Medis unter das Betäubungsmittelgesetz und die gebe es nur gegen Rezept und dies obwohl ihnen ein Arzt gegenüber stand. Offenbar geht's da um die Abrechnung oder ähnliches. Das war aber nicht weiter schlimm, denn ich hatte zu Hause aus unerfindlichen Gründen viel zu viele Schmerztabletten eingepackt.

Am Abend beim Essen war ich dann ziemlich fit. Offenbar hatten die Medikamente ihre Wirkung nicht verfehlt.

Kleiner Einschub zwischendurch, jetzt läuft doch auf Südtirol1 tatsächlich eine Sendung über Histamin Unverträglichkeit. Was für ein Zufall;-)

Nun denn, heute Morgen bin ich nach einer etwas mühsamen Nacht aufgewacht und spürte deutlich stärkere Schmerzen als gestern noch. Naja, die Wirkung der Medikamente war inzwischen verflogen und nun zeigte sich das ganze Ausmass des Sturzes. Mein Nacken fühlt sich an, als hätte mir jemand den Kopf ausreissen wollen. In der rechten Hand habe ich überall Druckstellen vom Skistock. Die Arme schmerzen und der linke Brustkorb sticht bei jeder Bewegung. Selbst Kopfschmerzen gehören seit gestern zur Tagesordnung.

In Anbetracht dessen, dass man sowieso nichts machen kann, werde ich dann wohl erst zu Hause einen Arzt aufsuchen und mich um die Unfallformulare kümmern. Jetzt werde ich einfach ausruhen und es mir gut gehen lassen. Für morgen Mittwoch habe ich mir mal vorgenommen, es nochmals mit Skifahren zu versuchen. Wird schon schief gehen;-) Schöne Grüsse nach Hause. {easycomments}